Dorothee ist sechs Jahre alt und leidet an einer unheilbaren Krankheit: Marfan
Marfan - Die Zeitbombe
im Körper
Dorothee ist sechs Jahre alt und leidet an einer unheilbaren Krankheit Marfan. Dies bedeutet:
Das Bindegewebe ist schwach, Skelett, Augen und das Herz nehmen Schaden. Die Patienten sind überdurchschnittlich groß, haben dünne Röhrenknochen, sie sind schmal gewachsen, zerbrechlich sozusagen. Edmund E., der Vater von Dorothee, leidet ebenfalls unter der heimtückischen Krankheit. Er wusste bis zur Geburt seiner Tochter nicht, dass sein Leiden vererbt wird. Auch viele Ärzte kennen die Krankheit nicht, können sie nicht diagnostizieren, obwohl diese schon vor genau 100 Jahren von dem französischen Kinderarzt Dr. Marfan entdeckt wurde. Kein Wunder also, dass es für viele Patienten keine Chance gibt, durch gezielte medizinische Betreuung ihr Leben wenigstens um ein paar Jahre zu verlängern. Denn der Tod kann sehr plötzlich kommen, wenn die Aorta reißt, die Hauptschlagader.
Kontakt: WDR, Appellhofplatz1,
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Kölner Stadt-Anzeiger - Nr. 186 - Donnerstag, 13. August 2009
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Eine Welle der Hilfsbereitschaft Dellbrücker gründeten Verein für in Not geratene Menschen |
Durch die schwere Krankheit der 17-jährigen Dorothee Enkler rückte ein ganzes Viertel enger zusammen.
VON UWE SCHÄFER
Dellbrück - Dorothee Enkler hat es ganz am Ende nicht geschafft. Heiligabend 2007 ist sie gestorben an einer Bindegewebserkrankung, die Herz und Aorta angreift, und die bei der 17-Jährigen zum Herzstillstand führte. Einige Zeit vor ihrem Tod lag Dorothee in der Klinik Reha Nova in Merheim. Die Familie wollte die Pflegebedürftige nach Hause holen, was aber den Umzug in eine größere Wohnung und die Einrichtung eines Pflegezimmers erforderte. Den Eltern fehlte das nötige Geld für die Umbauarbeiten und die Krankenkasse wollte den zusätzlichen Aufwand in der Wohnung der Enklers nicht bezahlen.
„Als das bekannt wurde, gab es im Stadtteil eine Welle der Anteilnahme und Hilfsbereitschaft“, erinnert sich Nachbar Rudolf Meier. Freunde, Nachbarn und Vereine traten mit zahlreichen Hilfsangeboten an die Familie heran. Schließlich war Dorothee Enkler immerhin Herold des Karnevalsvereins Kajuja und Mitglied in der Karnevalsgesellschaft Uhu. Die Hilfe zu koordinieren, überforderte aber die mit der Intensivpflege ihrer Tochter voll ausgelastete Familie. Meier setzte sich mit dem Notar Hans-Jürgen von Dickhuth-Harrach zusammen und beide überlegten, was in dieser Krisensituation zu tun sei. Einfach Geld zu sammeln und den Enklers zu geben, habe niemand gewollt. Meier: „Das hätte zu sehr nach Almosen ausgesehen, für die die Familie sich vielleicht geschämt hätte.“
Also gründeten die Dellbrücker Bürger den Verein „Dellbrück hilft“, dessen Aufgabe es ist, unverschuldet in Not geratenen Menschen unbürokratisch zu helfen. Rudolf Meier wurde dessen Vorsitzender. In der Satzung ist festgeschrieben, nie Bargeld an Hilfsbedürftige auszuzahlen, sondern vielmehr Sachmittel und Dienstleistungen zu verschenken. „Das war auch gut so“, betont Dorothees Vater Eddy Enk1er. Bargeld hätte ihn doch nur verpflichtet.
Laut Satzung gibt es nie Bargeld, sondern nur Sachmittel
Enkler: „Wenn ich mal ein Kölsch trinke, kann keiner sagen: Das ist von mir.“
Es dauerte nur wenige Tage, bis zahlreiche Bürger Interesse an der Initiative bekundeten. Innerhalb von sechs Wochen wurde der Verein nicht nur gegründet, sondern auch bei Gericht eingetragen und als gemeinnützig vom Finanzamt anerkannt. „Die Dellbrücker Bevölkerung reagierte positiv auf unseren Spendenaufruf und wir konnten Familie Enkler zügig und umfangreich helfen“, erinnert sich Meier.
Nachdem Dorothee 2007 gestorben war, setzte der Verein seine Tätigkeit fort. „Die Pfarrer beider Konfessionen haben uns dann darin bestärkt weiterzumachen“, so Meier. Es gebe in Dellbrück noch mehr Menschen, die Hilfe brauchen. So beteiligte sich „Dellbrück hilft“ an der Finanzierung der Über-mittagsbetreuung an einer Schule oder einer Ferienfreizeit für bedürftige Kinder. „Unser aktuelles Projekt ist die Unterstützung einer Familie, die neben ihren eigenen drei Kindern ein behindertes Pflegekind aufgenommen hat“, berichtet er.
Der Verein suche auch ständig nach weiteren Möglichkeiten, um im Viertel zu helfen: „Wir sind für jeden Tipp dankbar.“
„Dellbrück hilft“ ist gut in die Vereinslandschaft des Stadtteils integriert. Mitglieder und Vorstand sind in Heimat- oder Karnevalsvereinen aktiv. Viele Spendenaktionen laufen über dieses Netzwerk. So veranstaltet der TV Dellbrück ein Tennisturnier, aus dessen Erlös der Verein unterstützt wird. Aber auch Familie Enkler unterstützt das Projekt. Eddy Enkler: „Wir haben für Dorothee eine Homepage angelegt und Links zu Freunden geschaltet, die uns halfen.“ Eine Tafel des Internetauftritts stelle auch „Dellbrück hilft“ vor. Außerdem entwirft Enk1er Flugblätter und Plakate für den Verein.